Der erste Satz

Der erste Satz

Jeder, der schon mal einen längeren Text geschrieben hat, kennt dieses Problem: wie anfangen? Der erste Satz scheint dabei die große Herausforderung zu sein. Danach ist alles einfacher.

In einem Roman ist der erste Satz derjenige, der den Leser in die Welt zwischen den Seiten zieht. Eine große Aufgabe für ein einfaches Subjekt-Prädikat-Objekt Gebilde. Doch was macht eigentlich dieser einfachen Satz zu dem perfekten ersten Satz?

Eigenschaften

Natürlich ist es möglich, jeden beliebigen Satz als den allerersten zu verwenden. In meinen Augen ist es aber eine große Kunst, genau dafür den richtigen zu wählen.

Als erstes sollte der Satz kurz sein. Ich bin immer schon gelangweilt, wenn der erste Satz scheinbar nicht endet und sich dank diverser Nebensätze immer weiter über die Seite schlängelt. Kurz, prägnant mit nur einer Information drin. Mehr muss es gar nicht sein.

Was die Aussage des ersten Satzes angeht, sollte er den Leser neugierig darauf machen, was ihn im Laufe das Buches erwartet. Gleichzeitig sollte der erste Satz möglichst viele Fragen beim Leser aufwerfen, sodass dieser einfach nur weiterlesen will, um alle diese Fragen beantwortet zu bekommen.

Der perfekte erste Satz

An dieser Stelle möchte ich nun einige Beispiele aufführen, um das oben unter Eigenschaften geschriebene auch einmal in erfolgreich umgesetzter Form zu setzten.
Es gibt sicher hunderte an guten Beispielen. Um aber diesen Beitrag nicht unendlich lang werden zu lassen, habe ich mich auf vier Beispiele beschränkt. (Es handelt sich übrigens immer um den ersten Satz der ersten Kapitels, da nur eines der Beispiel Bücher einen Prolog besitzt.)

Es waren seine Augen. (Die wilden Abenteuer des jungen Capt’n Hook von J. V. Hart; Seite 11)

Meiner Meinung nach erzählt dieser eine Satz die ganze Geschichte und sagt doch gleichzeitig nichts darüber aus. Außerdem wirft es die Fragen auf, was denn mit den Augen ist und warum die Augen so wichtig sind.

Dann folgen auch gleich die anderen drei Beispiele:

“Was hast du getan?” (Rauklands Sohn von Jordis Lank; Seite 5)

Dieser Satz ist toll, weil er den Leser sofort in die Handlung der Geschichte rein wirft. Die Frage, was überhaupt passiert ist, steht übermächtig im Raum.

Ich lehne mich zufrieden in meinem Stuhl zurück. (Die zweite Legion – Das Geheimnis von Askir 2 von Richard Schwartz; Seite 7)

Was diesen Satz so gut für den Anfang macht, ist die Tatsache, dass man ihn eigentlich eher am Schluss erwartet. Er bringt kurze Verwirrung für den Leser mit.

“Ich fürchte, ich muss mich übergeben.” (Alera – Geliebter Feind von Cayla Kluver; Seite 11)

Dem Leser fallen bei diesem Satz eine ganze Menge Fragen ein: Was ist passiert? Warum möchte man sich übergeben, bevor die Geschichte angefangen hat? etc.

Jetzt seid ihr dran

Da ich selbst nicht nur Leserin, sondern auch Autorin bin, weiß ich, dass Autoren sich zum Teil sehr viele Gedanken um den ersten Satz machen. Wie aber ist das mit den Lesern? Wie wichtig ist euch der erste Satz? Gibt es für euch etwas wie den perfekten ersten Satz? Wenn ja, wie sieht der aus?

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